Archiv für September 2012

Räume

Freitag, 28. September 2012

28. September 2012

Die nachfolgenden Bilder entstanden Ende letzter Woche, noch bevor die Möbel angeliefert wurden. Es sind noch nicht alle Steckdosen montiert, die Türblätter fehlen noch, die Gebäudereinigung war erstmals tätig.

Aber das Parkett erstrahlt im neuen Glanz. Es musste an einigen Stellen ausgeflickt werden, wurde abgeschliffen und anschließend geölt.

Der Anblick ist unbezahlbar!

Es stammt nicht von meinem Urgroßvater Johann-Baptist II. sondern von meinem Großvater Johann-Baptist III., der das Haus in den 1930er-Jahren renovierte, als er den Betrieb 1925 nach dem Tod des Vaters übernommen hatte und einige Jahre später heiratete.

So ein Parkett kann man sich natürlich auch heute noch neu machen lassen, für wahrscheinlich 150-200€/m², es würde aber nie so schön aussehen wie eines, das 70 oder 80 Jahre starke Beanspruchung hinter sich hat.

Das Balkonzimmer im Obergeschoß in der Süd-Ost-Ecke:

Vormals das Zimmer, in dem unsere langjährige Haushälterin wohnte und die letzten Jahre vor dem Auszug ich selbst. Ich wusste gar nicht, dass da so ein schöner Fußboden in meinem Kinderzimmer ist.

Gruppenraum 3 im Obergeschoß an der Nordseite:

 

Hier wurden zwei Zimmer zusammengelegt, das Zimmer meiner Großmutter und das Schlafzimmer meiner Eltern.

Das Treppenhaus im Obergeschoß:

 

Der Intensivraum im Obergeschoß:

Hier verbrachte ich zusammen mit meinem Bruder Michael und meiner Schwester Julia die ersten Jahre.

Der Personalraum im Dachgeschoß:

Der Intensivraum im Dachgeschoß:

Der “Wanderpokal” ;-)

Samstag, 15. September 2012

15. September 2012

Auf jeder Baustelle entstehen im Laufe der Zeit Haufen, vor allem in der Ausbauphase.
Diese Haufen bestehen aus Abfall und Materialresten, die nicht eindeutig einer bestimmten Firma zuzuordnen sind, vergessenen und/oder unbrauchbaren Werkzeugen längst nicht mehr anwesender Firmen, ein defektes Baustellenradio ist auch mal dabei (diese Dinger gehören eigentlich bauaufsichtlich verboten!) etc.
Kurzum, alle möglichen Materialien, für die sich keiner der anwesenden Handwerker zuständig fühlt, landen irgedwann auf einem Haufen. Manchmal in einer dunklen Ecke, oftmals mitten im Raum, je nach dem wo er grade nicht im Weg ist.

Diese Haufen wandern, werden schnell größer, selten kleiner, ändern gelegentlich auf wundersame Art die Zusammensetzung.

Wenn der Rohbau erledigt ist und die Ausbaugewerke anfangen, ist die Wanderungsfrequenz besonders hoch. Wird Estrich gelegt, wandert der Haufen in einen Raum, in dem der Boden schon drin ist. Sobald der Fliesenleger auf der Baustelle ist, findet sich der Haufen in einem Raum wieder, der mit Parkett ausgelegt werden soll. Kaum ist der Parkettleger da, wandert der Haufen in einen frisch gefliesten Raum. Wenn die Maler anfangen, liegt der Haufen, der sich vorher in eine Ecke drückte, auf einmal mitten im Raum.

Niemals verschwinden diese Haufen von alleine, selbst eine strenge Anordnung des Bauleiters auf Beseitigung wird entweder gar nicht oder nur unter Murren befolgt.

Hat ein Handwerker seine Arbeit erledigt, wird der Arbeitsbereich aufgeräumt, Restmaterialien abtransportiert, Späne, Schutt und Dreck zusammengekehrt und entsorgt. Nur der Haufen bleibt, allein und verlassen mitten im penibel zusammengefegten Raum. Bis der nächste Handwerker kommt, dem der Haufen im Weg ist.

Auf unserer Baustelle gibt es eine Besonderheit: der wandernde Haufen hat sich ein Behältnis gesucht. Ich nenne ihn daher den “Wanderpokal”:

Die Wanderung dieses Mörtelkübels voll mit Schutt, einem alten Hanfseil, ein paar Parkett-Resten (aus dem Bestand im Obergeschoß), etwas Abdeckflies (das nicht nur vom Maler verwendet wurde) und diversen anderen undefinierbaren Substanzen begann seine Wanderung im zeitigen Frühjahr 2012, als die nichttragenden Wände im Dachgeschoß abgerissen wurden, also noch vor Baubeginn der Rohbauarbeiten am neuen Treppenhaus. Ich habe die Wanderung des Kübels mit Interesse und Amusement verfolgt, jedoch gemäß den wissenschaftlichen Regeln für Naturforscher nicht eingegriffen.

Er steht nun im Mehrzweckraum im Dachgeschoß, auf dem nagelneuen und blitzsauberen Linoleum-Boden vor der Tür ins neue Treppenhaus. Sogar eine den Boden schützende Matte aus Schaumstoff hat er sich untergelegt. Mehrfach hatte er die Türschwelle in beide Richtungen überquert, jedoch nie den Weg nach draußen in den bereitstehenden Abfall-Container gefunden.

Da das Experiment zur Verhaltensforschung auf Baustellen bei der Vollendung der Bautätigkeit als abgeschlossen betrachtet werden kann, habe ich heute dem Gebäudereiniger die Anweisung erteilt, das Versuchsobjekt zu entfernen :lol:

Ausbau Dachgeschoß

Freitag, 14. September 2012

14. September 2012

Die Dachkonstruktion wird zwischen den Sparren gedämmt und anschließend mit einer Dampfbrems-Folie ausgekleidet.

Anschließend wird die Unterkonstruktion aus Blechprofilen für die Gipskartonbeplankung montiert. Dazwischen werden die Elektroleitungen eingezogen.

Die Dampfbrems-Folie muss an allen Durchdringungen, Stößen und den Sparren, auf die sie getackert wurde, dampfdicht abgeklebt werden. Je nach Einsatz-Ort kommen auf die jeweilige Anwendung abgestimmte Klebebänder zur Anwendung.

Nachdem die Dachschrägen, Wände und Vorsatzschalen mit zwei Lagen Gipskarton beplankt sind, kommt auf die Bodenbretter eine Schüttung als Niveau-Ausgleich.
Das Material hat die zungenbrecherische Bezeichnung “epoxydharzgebundenes Blähglasgranulat”.

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Darauf wird die Fußbodenheizung verlegt.

Die Rohre werden in vorgefertigte Nuten in die Dämmung eingelegt. Die Bleche dienen der Wärmeverteilung.

Darauf kommt der Trockenestrich. Die Platten haben einen umlaufenden Stufenfalz, mit denen sie miteinander verklebt und zusätzlich verschraubt werden.

Von den Arbeiten der Bodenleger habe ich hier leider keine Fotos.

Die Maler waren auch sehr fleißig.

Der Nebel stammt von der Grundierung, die vor dem Auftrag der ersten Farbschicht mit der Airless-Spritzpistole  (ganz rechts unten im Bild) unmittelbar vor der Fotografie aufgetragen wurde.

Die beiden folgenden Aufnahmen entstanden im Abstand von exakt 3 Monaten. Das erste am 14.06.2012, das zweite heute am 14.09.2012

Innendämmung

Donnerstag, 13. September 2012

13. September 2012

Das Gebäude besteht, gemäß dem Stand der Technik von vor hundert Jahren, aus Vollziegeln. Obwohl die Außenwände teilweise 60cm dick sind, entspricht deren Wärmedämmwert natürlich in keinster Weise dem heute üblichen Standard. Aufgrund der denkmalgeschützten Fassade ist es allerdings nicht möglich, das Gebäude von außen mit einer zusätzlichen Wärmedämmung (“Vollwärmeschutz”) zu versehen.

Wärmedämmung muss aber sein, da das Haus angesichts hoher und weiter steigender Energiepreise sonst nicht wirtschaftlich zu betreiben ist.

Also bliebt nur übrig, die Außenwände von innen zu dämmen. Innenliegende Dämmungen sind allerdings bauphysikalisch ungünstig. Der in der warmen Raumluft enthaltene Wasserdampf kann in die Wärmedämmung eindringen und kondensiert entweder dortselbst oder an der kalten Oberfläche des Mauerwerks. Die Folge sind Feuchtigkeitsschäden und Schimmelbildung.

Und dies zu verhindern, bietet die Baustoffindustrie verschiedene Produkte zur energetischen Sanierung denkmalgeschützter Gebäude an.

Es gibt Systeme zur Innendämmung, bei denen der Dämmstoff dampfdicht ist (z.B. geschäumtes Glas “Foamglas”), oder das System kann Wasser aufnehmen, speichern und wieder abgeben ohne dabei an Dämmwirkung zu verlieren (Kalzium-Silikat-Platten), bis hin zu hochwärmedämmenden Vakuum-Dämmplatten, bei denen ein poröser Dämmstoff in eine Folie eingeschweißt und evakuiert wird.

Alle diese Produkte sind entweder extrem teuer (Vakuum-Platten), dämmen nicht besonders gut (Kalzium-Silikat), oder sind sehr umständlich und somit teuer zu verarbeiten (Foamglas) oder mehrere der genannten Nachteile in Kombination.

Die einfachste und preisgünstigste Variante wäre eine mit Mineralwolle gedämmte Vorsatzschale aus Gipskarton mit Dampfbremsfolie. Problematisch hierbei ist der dampfdichte Anschluss an Boden und Decke, speziell bei Holzbalkendecken (wie sie in unserer Villa ja vorhanden sind). Leckagen durch Beschädigungen sind kaum vermeidbar etc.

Man hat also in vielerlei Hinsicht die Wahl zwischen Erschießen und Erhängen bzw. zwischen Pest und Cholera.

Nachdem wir mehrere Bauphysiker und Fachberater der verschiedenen Anbieter konsultiert hatten, entschieden wir uns letztendlich für ein recht einfaches System vom bekannten Hersteller Rigips. Es handelt sich im Prinzip einfach nur um eine Verbundplatte aus Gipskarton und PS-Schaum (“Styropor”), die mittels Ansetzbinder an die Wand geklebt wird.

Allerdings wurden einige Details verbessert:

Der Dämmstoff hat durch Zugabe von Graphit einen besseren Dämmwert als herkömmliches Styropor (λ=0,032W/(mK) statt 0,040W/(mK) ),

und der Ansetzbinder basiert auf Zement statt auf Gips.

 

Bei der Verarbeitung muss darauf geachtet werden, dass der Kleber in einem umlaufenden Wulst aufgebracht wird, damit keine warme und wasserhaltige Raumluft hinter die Platte und auf das kalte Mauerwerk gelangen kann.

 

Zunächst müssen die zu beklebenden Wände vorbereitet werden, damit der Kleber dauerhaft hält: die alte Farbe muss abgefräst und lose Putzstellen müssen entfernt werden, an einigen Stellen musste der Putz komplett erneuert werden.

Gruppenraum 3 im Obergeschoß

 

Gruppenraum 1 im Erdgeschoß mit der ersten Lieferung Dämmplatten

Doch als die ersten Platten an die Wand geklebt werden sollten, das:

Alle gelieferten Platten waren verzogen und somit unbrauchbar!

Die komplette Lieferung musste ausgetauscht werden. Naja, noch sind wir im Zeitplan…….

Bei der zweiten Lieferung hat dann alles gepasst und die Arbeiten konnten beginnen.♦

Rohbau innen

Mittwoch, 12. September 2012

12. September 2012

Parallel zu den Arbeiten am neuen Treppenhaus wurden im Innern des Altbaus einige Veränderungen vorgenommen.

Der Kindergarten soll später einmal Platz für 70 Kinder bieten, aufgeteilt in drei Gruppen. Dazu müssen Gruppenräume mit einer Fläche von rund 50m² geschaffen werden. Dies war nur möglich, indem einige tragende Wände großflächig durchbrochen wurden.

Durchbruch Obergeschoß. Blick vom Wohnzimmer in das zuletzt von mir bewohnte Balkonzimmer.

 

Durchbruch Erdgeschoß. Blick von der Küche in das vormalige Esszimmer, später Chef-Büro meines Vaters Martin.

 

Bis zu 500kg schwere Stahlträger mussten eingebaut werden, um die Deckenbalken im Bereich dieser Druchbrüche abzufangen.

Dieser Träger wiegt "nur" knapp 200kg.

 

Türöffnungen mussten verschlossen und an anderer Stelle wieder neu hergestellt werden. Alle damit verbundenen Maurerarbeiten wurden mit den alten, an anderer Stelle herausgebrochenen Ziegeln ausgeführt. Aber nicht (nur) aus Sparsamkeit oder weil es etwa die Denkmalbehörde so wollte, sondern ganz einfach weil die damals verwendeten Ziegel ein anderes Format haben als die heutigen. Das sog. “Klosterformat” ist ein paar Zentimeter größer als das heute gebräuchliche.

Da eine Nutzungsänderung baurechtlich wie ein Neubau zu behandeln ist, musste das Tragwerk des gesamten Gebäudes (“die Statik”) neu berechnet und nachgewiesen werden. Da speziell im Keller die Tragfähigkeit der alten Betondecken zu gering oder zumindest zweifelhaft war, mussten eine ganze Reihe von Stahlträgern und Stützen eingebaut werden.

Alle tragenden Stahlteile im Keller werden später noch feuerbeständig ummantelt, damit das Gebäude im Falle eines Brandes nicht einstürzt.

Praktisch in letzter Minute bevor die Arbeiten am Innenausbau des Dachgeschoßes beginnen sollten, hatte der Zimmerer noch ein paar schadhafte Deckenbalken entdeckt und eben noch schnell repariert. Solche Überraschungen gibt es bei der Sanierung eines alten Hauses immer mal wieder, zusätzlich zum ganz normalen Wahnsinn einer Baustelle mit engem Zeitplan.

Oberhalb dieses Deckenbalkens war früher ein undichter Kaminkehrerausstieg.