Statik Dachstuhl – Ausbau – Dachdeckung

Bauingenieur Walter Kressirer hat anhand der Vermessungspläne und nach eingehender Ortsbesichtigung die Tragfähigkeit des Dachstuhles überprüft und das Tragwerk auf Schäden untersucht.

Das Ergebnis ist recht erfreulich:

Das Gebälk ist auch nach 100 Jahren noch in einem guten Zustand. Lediglich in der Dachkehle auf der Südost-Seite (über dem Balkon) gibt es beim Kehlsparren auf ca. 2m Länge einen Totalausfall zu beklagen. Durch Jahrzehnte lange Einwirkung von Feuchtigkeit ist der Balken zwischen Fuß- und Mittelpfette komplett verfault und muss ausgetauscht werden.

Mittel- und Firstpfetten sind recht knapp dimensioniert und müssen durch aufgeschraubte Stahlprofile verstärkt werden, einige Sparren müssen durch aufgenagelte Bohlen im Bereich der Kerfen am Auflager an den Mittelpfetten aufgedoppelt werden. Alle diese Balken haben zwar fast 100 Jahre gehalten und würden es noch weitere 100 Jahre tun, allerdings war das Dach nie zum Ausbau als Wohnraum vorgesehen, so wie wir das für die Zukunft planen. Damit die mit Gipskarton verkleideten Dachflächen durch Verformungen (z.B. durch Wind-Druck und -Sog) keine Risse bekommen, ist die Verstärkung erforderlich.

Die grün eingefärbten Teile im Plan stellen die erforderlichen Verstärkungen dar, die gelben, orangen und roten Bereiche kennzeichnen die leichten, mittleren und starken Schäden am Tragwerk.

Auf diesem Plan noch nicht dargestellt sind die für die drei neuen Schlepp-Gauben erforderlichen Auswechslungen.

Das Dach wird zur Reparatur komplett abgedeckt (die Dachziegel sind ohnehin zu 90% nicht mehr brauchbar); die direkt auf die Sparren genagelte Traglattung wird ebenfalls entfernt.

Im südlichen Teil des Dachgeschoßes wird die Zwischendecke entfernt, hier soll das Dach bis zum First ausgebaut werden. Der mittlere Teil der Zwischendecke soll als Galerie ausgebaut werden und wird vom südlichen Dachraum aus erschlossen.

Im nördliche Teil des Hauptdaches und im östlichen Quergiebel bleibt die obere Ebene als unausgebauter Dachspeicher erhalten.

Um den Erfordernissen einer modernen Dachkonstruktion gerecht zu werden und trotzdem mit der denkmalgeschützen Bausubstanz so behutsam wie möglich umzugehen, soll das Dach keine dicke Aufsparrendämmung bekommen, sondern eine Unterdeckung aus Pavatex. Dieses Material vereinigt die Eigenschaften von drei Bauteilen in sich: es ersetzt eine herkömmliche Bretterschalung, es ist aufgrund seiner Wasserundurchlässigkeit wie eine dampfoffene Vordeckung und es wirkt als leichte Aufsparrendämmung und verringert so den Dämmstoffbedarf zwischen den Sparren und hilft Wärmebrücken durch die Sparren zu vermeiden. Durch die im Vergleich zu einer vollständigen Aufsparrendämmung geringe Dicke von 52mm bleiben die Proportionen des Gebäudes weitgehend erhalten.

Die Dachdeckung erfolgt wie im Original mit roten, nicht engobierten Biberschwänzen mit Rundschnitt in Doppeldeckung. Die Dach-Kehlen werden nicht wie im jetzigen Zustand als offene Kehlen ausgeführt, sondern als sogenannte Eingebundene Nockenkehlen. Der Schnitt erfolgt hier direkt an der Schnittlinie der Dachflächen, die Dichtigkeit wird durch eingelegte Blechstücke gewährleistet.

Alle Blech-Bauteile, wie Kehlen, Ortgänge, Traufen, Rinnen, Fallrohre etc. und eventuell auch die Fensterbleche sollen in Kupfer ausgeführt werden. Im Bestand wurde verzinktes Stahlblech verwendet, das sich aber als nicht besonders haltbar erwiesen hat.

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