Das Erker-Dach

27. Januar 2011

An der Nord-Ost-Ecke der Villa befindet sich im Erdgeschoß ein Erker mit drei Fenstern, der ursprünglich mit Schiefer oder Schindeln eingedeckt war (genauer kann man es auf dem alten Foto von 1915 nicht erkennen). Lange scheint diese Dachdeckung allerdings nicht gehalten zu haben. Bereits auf dem Foto von 1940 sind die Schindeln verschwunden und durch ein dunkles, glattes Material ersetzt worden, vermutlich Blech.

Als wir die Bedachung des Erkers abrissen, kam unter dem verzinkten Stahlblech auch noch eine fragwürdig zusammengenagelte Holz-Unterkonstruktion zum Vorschein. Die musste also auch erneuert werden.

Da die Geometrie dieser geviertelten Zwiebel einigermaßen kompliziert ist, mussten die Zimmerer einiges vor Ort buchstäblich aus dem Vollen schnitzen.

Auf diese Unterkonstruktion wurden vom Spengler dann die Bahnen aus Kupferblech angepasst. Die Blechteile werden zugeschnitten, die Längskanten abgekantet, und durch Strecken und Stauchen dieser Abkantungen mit einer speziellen Zange wird das Blechteil an die Rundung der Holzkonstruktion angepasst.

Die verzwicktesten Stellen sind die Grate, also da, wo die spitz zulaufenden Randstücke aneinandertreffen. Die Schnittkanten sind nicht gerade, sondern S-förmig und müssen Stück für Stück abgekantet und dann gestaucht und gestreckt werden. Eine zeitaufwändige Arbeit, die viel Können und Geschick erfordert.

Wenn alle Teile angepasst und befestigt sind, schlägt der Spengler die Abkantungen zu einem Stehfalz um.

Was bei ebenen Blechbedachungen normalerweise mit einem speziellen Werkzeug recht flott von der Hand geht, muss hier mit dem Hammer und dem Schal-Eisen mühsam und Zentimeter für Zentimeter geformt werden.

Bei dieser Arbeit muss noch dazu darauf geachtet werden, dass die oberflächenfertigen Blechteile nicht von den Werkzeugen verbeult werden.

Aber der Aufwand hat sich gelohnt:

Hinterlasse eine Antwort