Innendämmung

13. September 2012

Das Gebäude besteht, gemäß dem Stand der Technik von vor hundert Jahren, aus Vollziegeln. Obwohl die Außenwände teilweise 60cm dick sind, entspricht deren Wärmedämmwert natürlich in keinster Weise dem heute üblichen Standard. Aufgrund der denkmalgeschützten Fassade ist es allerdings nicht möglich, das Gebäude von außen mit einer zusätzlichen Wärmedämmung (“Vollwärmeschutz”) zu versehen.

Wärmedämmung muss aber sein, da das Haus angesichts hoher und weiter steigender Energiepreise sonst nicht wirtschaftlich zu betreiben ist.

Also bliebt nur übrig, die Außenwände von innen zu dämmen. Innenliegende Dämmungen sind allerdings bauphysikalisch ungünstig. Der in der warmen Raumluft enthaltene Wasserdampf kann in die Wärmedämmung eindringen und kondensiert entweder dortselbst oder an der kalten Oberfläche des Mauerwerks. Die Folge sind Feuchtigkeitsschäden und Schimmelbildung.

Und dies zu verhindern, bietet die Baustoffindustrie verschiedene Produkte zur energetischen Sanierung denkmalgeschützter Gebäude an.

Es gibt Systeme zur Innendämmung, bei denen der Dämmstoff dampfdicht ist (z.B. geschäumtes Glas “Foamglas”), oder das System kann Wasser aufnehmen, speichern und wieder abgeben ohne dabei an Dämmwirkung zu verlieren (Kalzium-Silikat-Platten), bis hin zu hochwärmedämmenden Vakuum-Dämmplatten, bei denen ein poröser Dämmstoff in eine Folie eingeschweißt und evakuiert wird.

Alle diese Produkte sind entweder extrem teuer (Vakuum-Platten), dämmen nicht besonders gut (Kalzium-Silikat), oder sind sehr umständlich und somit teuer zu verarbeiten (Foamglas) oder mehrere der genannten Nachteile in Kombination.

Die einfachste und preisgünstigste Variante wäre eine mit Mineralwolle gedämmte Vorsatzschale aus Gipskarton mit Dampfbremsfolie. Problematisch hierbei ist der dampfdichte Anschluss an Boden und Decke, speziell bei Holzbalkendecken (wie sie in unserer Villa ja vorhanden sind). Leckagen durch Beschädigungen sind kaum vermeidbar etc.

Man hat also in vielerlei Hinsicht die Wahl zwischen Erschießen und Erhängen bzw. zwischen Pest und Cholera.

Nachdem wir mehrere Bauphysiker und Fachberater der verschiedenen Anbieter konsultiert hatten, entschieden wir uns letztendlich für ein recht einfaches System vom bekannten Hersteller Rigips. Es handelt sich im Prinzip einfach nur um eine Verbundplatte aus Gipskarton und PS-Schaum (“Styropor”), die mittels Ansetzbinder an die Wand geklebt wird.

Allerdings wurden einige Details verbessert:

Der Dämmstoff hat durch Zugabe von Graphit einen besseren Dämmwert als herkömmliches Styropor (λ=0,032W/(mK) statt 0,040W/(mK) ),

und der Ansetzbinder basiert auf Zement statt auf Gips.

 

Bei der Verarbeitung muss darauf geachtet werden, dass der Kleber in einem umlaufenden Wulst aufgebracht wird, damit keine warme und wasserhaltige Raumluft hinter die Platte und auf das kalte Mauerwerk gelangen kann.

 

Zunächst müssen die zu beklebenden Wände vorbereitet werden, damit der Kleber dauerhaft hält: die alte Farbe muss abgefräst und lose Putzstellen müssen entfernt werden, an einigen Stellen musste der Putz komplett erneuert werden.

Gruppenraum 3 im Obergeschoß

 

Gruppenraum 1 im Erdgeschoß mit der ersten Lieferung Dämmplatten

Doch als die ersten Platten an die Wand geklebt werden sollten, das:

Alle gelieferten Platten waren verzogen und somit unbrauchbar!

Die komplette Lieferung musste ausgetauscht werden. Naja, noch sind wir im Zeitplan…….

Bei der zweiten Lieferung hat dann alles gepasst und die Arbeiten konnten beginnen.♦

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