Der “Wanderpokal” ;-)

15. September 2012

Auf jeder Baustelle entstehen im Laufe der Zeit Haufen, vor allem in der Ausbauphase.
Diese Haufen bestehen aus Abfall und Materialresten, die nicht eindeutig einer bestimmten Firma zuzuordnen sind, vergessenen und/oder unbrauchbaren Werkzeugen längst nicht mehr anwesender Firmen, ein defektes Baustellenradio ist auch mal dabei (diese Dinger gehören eigentlich bauaufsichtlich verboten!) etc.
Kurzum, alle möglichen Materialien, für die sich keiner der anwesenden Handwerker zuständig fühlt, landen irgedwann auf einem Haufen. Manchmal in einer dunklen Ecke, oftmals mitten im Raum, je nach dem wo er grade nicht im Weg ist.

Diese Haufen wandern, werden schnell größer, selten kleiner, ändern gelegentlich auf wundersame Art die Zusammensetzung.

Wenn der Rohbau erledigt ist und die Ausbaugewerke anfangen, ist die Wanderungsfrequenz besonders hoch. Wird Estrich gelegt, wandert der Haufen in einen Raum, in dem der Boden schon drin ist. Sobald der Fliesenleger auf der Baustelle ist, findet sich der Haufen in einem Raum wieder, der mit Parkett ausgelegt werden soll. Kaum ist der Parkettleger da, wandert der Haufen in einen frisch gefliesten Raum. Wenn die Maler anfangen, liegt der Haufen, der sich vorher in eine Ecke drückte, auf einmal mitten im Raum.

Niemals verschwinden diese Haufen von alleine, selbst eine strenge Anordnung des Bauleiters auf Beseitigung wird entweder gar nicht oder nur unter Murren befolgt.

Hat ein Handwerker seine Arbeit erledigt, wird der Arbeitsbereich aufgeräumt, Restmaterialien abtransportiert, Späne, Schutt und Dreck zusammengekehrt und entsorgt. Nur der Haufen bleibt, allein und verlassen mitten im penibel zusammengefegten Raum. Bis der nächste Handwerker kommt, dem der Haufen im Weg ist.

Auf unserer Baustelle gibt es eine Besonderheit: der wandernde Haufen hat sich ein Behältnis gesucht. Ich nenne ihn daher den “Wanderpokal”:

Die Wanderung dieses Mörtelkübels voll mit Schutt, einem alten Hanfseil, ein paar Parkett-Resten (aus dem Bestand im Obergeschoß), etwas Abdeckflies (das nicht nur vom Maler verwendet wurde) und diversen anderen undefinierbaren Substanzen begann seine Wanderung im zeitigen Frühjahr 2012, als die nichttragenden Wände im Dachgeschoß abgerissen wurden, also noch vor Baubeginn der Rohbauarbeiten am neuen Treppenhaus. Ich habe die Wanderung des Kübels mit Interesse und Amusement verfolgt, jedoch gemäß den wissenschaftlichen Regeln für Naturforscher nicht eingegriffen.

Er steht nun im Mehrzweckraum im Dachgeschoß, auf dem nagelneuen und blitzsauberen Linoleum-Boden vor der Tür ins neue Treppenhaus. Sogar eine den Boden schützende Matte aus Schaumstoff hat er sich untergelegt. Mehrfach hatte er die Türschwelle in beide Richtungen überquert, jedoch nie den Weg nach draußen in den bereitstehenden Abfall-Container gefunden.

Da das Experiment zur Verhaltensforschung auf Baustellen bei der Vollendung der Bautätigkeit als abgeschlossen betrachtet werden kann, habe ich heute dem Gebäudereiniger die Anweisung erteilt, das Versuchsobjekt zu entfernen :lol:

Eine Antwort zu “Der “Wanderpokal” ;-)”

  1. Brandl sagt:

    Hallo Herr Haydn,

    fühl mich zwar in Anbetracht der Bestandteile des Wanderpokals nicht angesprochen –
    werde aber meine Leutchen fragen ob von uns einer beim Transport beteiligt war.

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