Kleine und mittlere Katastrophen im Bauablauf

17. Januar 2013

Am Montag, dem 1. Oktober 2012 ging der “Kindergarten in der Haydn-Villa” offiziell in Betrieb. Ursprünglich sollte es ja der 1. September werden.

Allerdings gab es zu Beginn der Rohbauarbeiten ein paar Verzögerungen (die nicht durch uns zu verantworten waren!), und so wurde einvernehmlich mit der Gemeinde und dem Vorstand des Betreibers der 1. Oktober als Eröffnungstermin festgelegt. Immer noch ein sehr sportlicher Termin!

Eine Zeit lang im Mai/Juni glaubte ich schon nicht mehr so recht daran, dass wir diesen Termin einhalten könnten. Selbstverständlich hatte ich einen detaillierten Bauzeitenplan ausgetüftelt, in dem genau festgelegt wurde, welche Tätigkeit wo, wann und von wem in welcher Zeit zu erledigen sein muss, damit die nachfolgenden Gewerke nahtlos und planbar mit ihren Arbeiten beginnen können. Selbst bei dieser kleinen Baustelle ist das schon ein recht kompliziertes System aus mehrfach miteinander verstrickten Abhängigkeiten. In der Haut des verantwortlichen Oberbauleiters des Berliner Flughafens möchte ich nicht stecken!

Zentraler Meilenstein im gesamten Bauablauf war, wie so oft, das vermeintlich unscheinbare und vom Auftragsvolumen her auch nicht wirklich herausstechende Gewerk des Estrichlegers.

Um einen dampfdichten Bodenbelag wie Linoleum auf Zementestrich verlegen zu können, darf dessen Restfeuchte maximal 2,0% betragen (sonst gibt es später Blasen und der Kleber löst sich ab). Um diese Belagreife zu erlangen, muss der Estrich, der eigenlich bereits wenige Tage nach Verlegung begeh- und belastbar ist, mehrere Wochen trocken geheizt werden.

Zeit, die wir eigentlich nicht hatten!

Also musste der Estrich zu einem recht frühen Zeitpunkt eingebaut werden.
Dazu mussten allerdings erstmal die Wände soweit fertiggestellt sein: neue Durchbrüche mussten hergestellt, alte verschlossen, Schlitze für Leitungen gestemmt und nach Verlegung derselben wieder zugeputzt, Fehlstellen im Putz ausgebesssert, einige Wände mussten komplett neu verputzt werden, die Innendämmung musste an den Außenwänden angebracht sein (wobei eine fehlerhafte Lieferung des Herstellers wieder ein paar Tage kostete). Ach ja, und die Fußbodenheizung musste zwischendrin auch noch verlegt werden.

Alles das klappte mit einigen Mühen, aber es klappte. Mit den meisten der beteiligten Firmen arbeiten wir seit Jahren zusammen, die Handwerker kennen mich und meine Arbeitsweise, und sie kennen sich untereinander. Es herrscht ein freundlicher und kollegialer Umgangston auf der Baustelle. Ich bin ständig vor Ort und für jeden jederzeit ansprechbar. Unter solchen Voraussetzungen kann auch ein knapper Zeitplan unter erschwerten Bedingungen eingehalten werden.

Das Verlegen des Estrichs selbst ging reibungslos vonstatten. Zum Ausheizen wurde als Provisorium ein elektrisches Heizgerät installiert, da die Heizzentrale zu diesem Zeitpunkt noch längst nicht betriebsbereit war.

Als dann Ende August der große Moment endlich gekommen war, sagte uns der längst beauftragte Bodenleger ab! Ein Mitarbeiter sei ihm  abgesprungen und alleine schaffe er es nicht. Na wenigstens sagt er es vorher.
Mitten in der Urlaubszeit musste also auf die Schnelle ein Ersatz gefunden werden.

Und als der neue Bodenleger dann endlich auf der Baustelle eintraf, gab es die nächste Überraschung: Die Feuchte-Messung ergab einen Wert von deutlich über 2,0%. Der verwendete Beschleuniger-Zusatz sollte eigentlich das Wasser im Estrich kristallin binden und so eine schnellere Belagreife ermöglichen. Bei der verwendetetn CM-Messmethode wird dieses Wasser aber wieder freigesetzt. Da die Firma mit solchen Zusätzen in der Vergangenheit schlechte Erfahrungen gemacht hatte, verlangte sie eine schriftliche Freigabe des Herstellers des Mittels, was von diesem natürlich verweigert wurde. Na super! War alle Mühe umsonst?

Glücklicherweise gibt es extra für solche Fälle entwickelte Absperrbahnen, die den Durchtritt der Feuchtigkeit nach oben verhindert und zur Seite hin ableitet. Sie kostet zwar fast soviel, wie das darauf zu verlegende Linoleum, aber was soll’s.

Der vereinbarte Termin wurde eingehalten!

Eine Antwort zu “Kleine und mittlere Katastrophen im Bauablauf”

  1. angelika von waechter børde sagt:

    An Martin Haydn: lieber Martin, ganz zufällig entdeckte ich diese Euere Webseite. Vielleicht besichtigen wir Euer schones Haus wenn wir, wie jedes Jahr vom Flugplatz zu unserem geerbten Bauernhof in Mamming, bei Dingolfing fahren. Wir: das sind mein Mann ( seit 50 Jahren ) und ich.

    Viele Grüsse von Angelika von Waechter BØRDE

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