Mit ‘Denkmalschutz’ getaggte Artikel

Das Fassadenputz muss weg

Dienstag, 05. Oktober 2010

Ursprünglich wollten wir den Putz weitgehend erhalten und nur die schadhaften Stellen ausbessern. Nach einer genaueren Untersuchung und unter Hinzuziehung von Anwendungstechnikern der Firma Hasit, dem Hersteller des neuen Putzes, wurde klar, dass es nur an der Ostfassade größere zusammenhängende intakte Putz-Flächen gibt. Alle anderen Flächen, besonders an der Nord- und West-Fassade, sind locker und mürbe und lassen sich teilweise mit dem Fingernagel abkratzen.

Bei einem kurzfristig zustande gekommenen Ortstermin mit Herrn Dr. Hallinger, stellvertretender Referatsleiter beim Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege, wurde entschieden, dass der Putz nur am Giebeldreieck der Ostfassade erhalten bleiben soll. Diese Fläche ist vom Rest durch ein Kaffgesims abgegrenzt und so gibt es auch keinen direkten Übergang zwischen altem und neuen Putz. Diese Übergänge wären bei dem zur Anwendung kommenden groben Kellenwurf mit Korngröße 8mm immer unschön geworden und hätten sich niemals angleichen lassen.

An dieser Stelle nochmal vielen Dank an Herrn Dr. Hallinger für die schnelle und unkomplizierte Bearbeitung unseres Projektes!

Also wurde begonnen, den alten Putz abzuschlagen.

Der Putz muss weg

Südfassade ohne Putz

Vorher hatte ich die Lage und Breite aller Faschen, Lisenen und Gesimse der gesamten Fassade dokumentiert.

Fenster

Donnerstag, 15. Juli 2010

Die Fenster eines Gebäudes sind aus bauphysikalischer Sicht recht komplexe Bauteile; das waren sie vor 100 Jahren genau so wie sie es heute immer noch sind.

Fenster sollen transparent und lichtdurchlässig, gleichzeitig aber schall- und wärmedämmend sein. Sie sollen sich zum Lüften öffnen lassen, aber in geschlossenem Zustand müssen sie nicht nur winddicht, sondern nach neueren Erkenntnissen sogar dampfdicht sein. Obendrein ist die Außenseite der Witterung ausgesetzt: Sonne, Regen und Frost beanspruchen das Material.

Vor 100 Jahren wurden in die Haydn-Villa überwiegend sogenannte Kastenfenster eingebaut. Diese Fenster haben zwei Flügelebenen mit einem Abstand von ca. 12cm. Dadurch ergeben sich bauphysikalische Werte, die mit denen moderner Isolierglasfenster vergleichbar sind oder diese sogar noch übertreffen.

Durch den großen Scheibenzwischenraum kann eine sehr gute Wärmedämmung realisiert werden – ganz ohne High-Tech-Gläser und Edelgasfüllung, wie bei “modernen” Isoliergläsern. Voraussetzung ist allerdings, dass die Flügel umlaufend dicht am Rahmen anliegen. Durch geeignete Holzauswahl, z.B. feinjähriges Lärchenholz, und handwerklich hochwertige Verarbeitung kann dies auch dauerhaft erreicht werden.

Im Jahr 1912 war Floatglas noch unbekannt. Fensterglas wurde entweder gezogen oder geblasen. Dabei wird eine große, zylindrische, dünnwandige Flasche geblasen, Boden und Deckel abgeschnitten, der verbleibende Zylinder wird längs aufgeschnitten und abgerollt. Die so entstandenen Scheiben sind allerdings nicht sehr großformatig. Aus diesem Grund hatten die Fenster damals eine mehr oder weniger kleinteilige Sprosseneinteilung. Das Glas hat außerdem aufgrund des Herstellungsprozesses keine spiegelglatte Oberfläche, sondern leichte Unebenheiten und manchmal Einschlüsse.

Das rechts abgebildete Fenster ist der am häufigsten in der Villa eingebaute Typ (ca. 24 Stück). Die maximale Scheibengröße beträgt nicht mehr als 42cm. Die äußere Ebene verfügt über Drehflügel mit Stulp und ein Oberlicht mit Kippbeschlag. Die innere Ebene hat ebenfalls Drehflügel mit Stulp, die aber ohne Oberlicht über die gesamte Höhe des Fensters reichen. Diese Flügel sind mit zwei Quersprossen unterteilt, und zwar so, dass sich diese Sprossen mit den der äußeren Flügel decken. Im Sommer wurden diese Inneren Flügel oft ausgehangen und im Speicher verstaut und erst im Herbst wieder eingehängt.

Nach ausführlicher Sichtung und Bestandsaufnahme aller im Haus noch verbliebenen Originalfenster wurde einvernehmlich mit der Denkmalbehörde beschlossen, alle Fenster bis auf drei komplett neu anzufertigen. Die Fenster werden getreu dem alten Vorbild hergestellt, d.h. komplett aus Holz (Lärche, Eiche und Fichte je nach Bauteil), mit der gleichen Profilierung, gleiche Abmessungen und Sprosseneinteilung. Nach Möglichkeit werden auch die noch vorhandenen und brauchbaren Getriebe und Beschläge hergerichtet und wiederverwendet.

Lediglich kleine Detailverbesserungen werden vorgenommen, wie z.B. eine umlaufende Dicktlippe am inneren Flügel, ein geänderter Wetterschenkel und die Aufnahme für das Fensterblech. Zur Verglasung kommt außen sogenanntes Restaurationsglas zum Einsatz, das die gleichen Unregelmäßigkeiten aufweist wie das alte Glas. Innen wird ein beschichtetetes Einscheiben-Isolierglas eingebaut. Dadurch sollte ein U-Wert von nur knapp über 1 erreicht werden, was modernem Standard entspricht.

Die Oberfläche wird mit einer speziellen Ölfarbe behandelt.

Die drei am besten erhaltenen Bestandsfenster werden entlackt, bei Bedarf repariert, neu verglast und gestrichen. Diese drei Fenster werden auf Wunsch der Denkmalbehörde als so genanntes “Primärdokument” nebeneinander in einem Raum wieder eingebaut.

Ortstermin mit Behörde

Donnerstag, 15. Juli 2010

Am 8. Juli fand ein Ortstermin mit Vertretern des Landratsamtes Ebersberg und des Landesamtes für Denkmalpflege statt.

Herr Dr. Michael Schmidt (Bildmitte mit Plan) ließ sich von der Architektin, Frau Geraldine Frisch, die Pläne erläutern.

Bei diesem Ortstermin wurden noch verschiedene andere geplante Änderungen am Gebäude besprochen und für gut befunden.