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Die Fenster sind da

Mittwoch, 13. Oktober 2010

Am Montag war der Tag, auf den wir mit über einem Jahr Vorbereitung, Planung, Abstimmung mit den Behörden, Rücksprache mit dem Bauphysiker und ca. fünf Monaten Fertigung hingefiebert haben:

Die neuen Fenster sind da!

Fenster für das Erdgeschoß

Fenster für das Dachgeschoß

... und eingebaut

In dieser Bauphase werden allerdings nur der äußere Stock mit den Außen-Flügeln montiert. Der Kasten mit den Innen-Flügeln kommt später.

Schreinermeister bei der Arbeit

Baubeginn!!!

Mittwoch, 01. September 2010

Wie vereinbart und auch mehrfach angekündigt, begannen am 30.08.2010 die Arbeiten. Von außen war allerdings bis heute (Mittwoch 01.09.) früh noch nichts zu sehen, da aufgrund des schlechten Wetters das Dach nicht geöffnet werden konnte. Vielmehr wurden im Inneren des Dachstuhls Verkleidungen abgerissen und Balken freigelegt.

Kehlsparren Süd-Ost und Deckenbalken freigelegt.

Heute, bei blauem Himmel, begann die Zimmerei Mayer mit dem Abtragen der Dachdeckung im südlichen Teil des Hauptdaches und dem Einbau der Verstärkungen und Auswechslungen für die neu einzubauenden Gauben.

Anlieferung Material

Abriss Dacheindeckung

das Dach ist offen

RückverankerungderFußpfetten

Bereits letzten Samstag wurde von Herrn Fußeder das Musterfenster (Nr. 8 ) eingebaut. Das Fensterblech ist montiert und die erste Lage Fassadenputz in diesem Bereich aufgebraucht. Hier soll die Musterfläche entstehen, die beim nächsten Behördentag dem Landesamt für Denkmalpflege und dem Landratsamt vorgestellt werden soll.

Die Sparren für die Gaube auf der Westseite werden hergerichtet.

Fenster Nr. 8

Freitag, 06. August 2010

In den alten Plänen ist neben dem Erker im Erdgeschoß in der Nordfassade ein Fenster eingezeichnet. Dieses Fenster ist anscheinend um 1930, als mein Großvater Johann-Baptist III. den Betrieb übernahm und anschließend heiratete, zugemauert und überputzt worden.

Das betreffende Zimmer wurde von meinem Urgroßvater Johann-Baptist II. im Original-Plan als “Wohnzimmer” bezeichnet und später zum Büro umfunktioniert.

Vermutlich war zu wenig Stellfläche für Aktenschränke oder ähnliches vorhanden, und daher wurde dieses Fenster verschlossen und geriet in Vergessenheit.

Da die Nordfassade Jahrzehnte lang mit Wein und Efeu bewachsen war, fiel die ausgebesserte Putzfläche nie wirklich auf.

Durch Klopfen konnte die alte Fensteröffnung leicht ermittelt werden. Der alte Sturz war schnell gefunden und der Übergang zwischem alten und “neuem” Mauerwerk ist gut zu erkennen.

Das bereits im November 2009 fertiggestellte Musterfenster soll hier eingebaut und eine Musterfläche des Fassadenputzes angelegt werden.

Fassaden – neue “alte” Fenster

Freitag, 16. Juli 2010

An den Fassaden sollen einige kleinere Veränderungen vorgenommen werden.

In der Nordfassade wurden um 1935 zwei Fenster verschlossen, die nun wieder geöffnet bzw. wieder hergestellt werden sollen. Es handelt sich um Fenster Nr. 8 im Erdgeschoß neben dem Erker und Fenster Nr. 7 im Obergeschoß rechts neben dem Balkon, das 75 Jahre hinter verschlossenen Läden verborgen war, wieder hergerichtet.

In der Ostfassade wird das große dreiteilige Fenster Nr. 26 rechts neben der Haustüre gemäß den alten Fotos wieder hergestellt. Dieses Fenster wurde in den 1960er Jahren gegen ein einflügeliges und sprossenloses “Biebelfenster” ausgetauscht. Dabei wurden Fensterbreite und Brüstungshöhe verändert. All dies wird wieder in den Originalzustand zurückversetzt.

Die Westfassade erhält einen zusätzlichen Balkon. Dazu wird das Fenster Nr. 42 im Südlichen Teil als Balkontüre erweitert. Im Dachgeschoß wird das kleine Fenster Nr. 40 im Quergiebel vergrößert.
Das Fenster Nr. 45 im EG ist genauso wie die auf alten Fotos erkennbaren Fenster im DG ein von der Bauart und Einteilung her ganz anderer Typ als die Fenster 1-17. Vermutlich handelt es sich hierbei um gebrauchte Teile, die aus einem Abrissgebäude ausgebaut und hier wieder verwendet wurden.

Fenster EG und OG, Nr. 1-17, Stulp, eine Quersprosse

Fenster DG Nr. 20 + 21, Pfosten, zwei Quersprossen

Da bei diesem Fenstertyp der innere Flügel auch zwei Quersprossen hat, sind diese mit den Sprossen des Innenflügels versetzt.

Daher haben wir uns entschlossen, diese Fenster leicht zu modifizieren um ein einheitliches Bild zu erzeugen: Die Flügeleinteilung bleibt, wie sie auf den alten Fotos erkennbar ist, jedoch werden die äußeren Drehflügel als Stulp ohne Pfosten ausgeführt und sie erhalten nur eine Quersprosse, so dass sie mit der unteren Quersprosse des Innenflügels deckungsgleich ist.

Die Südseite des Gebäudes (die seltsamerweise weder zeichnerisch dargestellt noch fotografisch dokumentiert wurde) erhält im Dachgeschoß zwei statt des einen vorhandenen Fensters  (Nr. 47 + 48). Dadurch bekommt der später noch auszubauende große Raum im südlichen Dachgeschoß mehr Licht. Zusätzlich werden in das Dach Schleppgauben eingebaut, so wie sie im alten Eingabeplan von 1912 eingezeichnet sind, aber nie ausgeführt wurden (Nr. 18, 39 und 41).

Der Kamin im südlichen Teil des Gebäudes wird ab Oberkante Decke über Obergeschoß abgebrochen.

Fenster

Donnerstag, 15. Juli 2010

Die Fenster eines Gebäudes sind aus bauphysikalischer Sicht recht komplexe Bauteile; das waren sie vor 100 Jahren genau so wie sie es heute immer noch sind.

Fenster sollen transparent und lichtdurchlässig, gleichzeitig aber schall- und wärmedämmend sein. Sie sollen sich zum Lüften öffnen lassen, aber in geschlossenem Zustand müssen sie nicht nur winddicht, sondern nach neueren Erkenntnissen sogar dampfdicht sein. Obendrein ist die Außenseite der Witterung ausgesetzt: Sonne, Regen und Frost beanspruchen das Material.

Vor 100 Jahren wurden in die Haydn-Villa überwiegend sogenannte Kastenfenster eingebaut. Diese Fenster haben zwei Flügelebenen mit einem Abstand von ca. 12cm. Dadurch ergeben sich bauphysikalische Werte, die mit denen moderner Isolierglasfenster vergleichbar sind oder diese sogar noch übertreffen.

Durch den großen Scheibenzwischenraum kann eine sehr gute Wärmedämmung realisiert werden – ganz ohne High-Tech-Gläser und Edelgasfüllung, wie bei “modernen” Isoliergläsern. Voraussetzung ist allerdings, dass die Flügel umlaufend dicht am Rahmen anliegen. Durch geeignete Holzauswahl, z.B. feinjähriges Lärchenholz, und handwerklich hochwertige Verarbeitung kann dies auch dauerhaft erreicht werden.

Im Jahr 1912 war Floatglas noch unbekannt. Fensterglas wurde entweder gezogen oder geblasen. Dabei wird eine große, zylindrische, dünnwandige Flasche geblasen, Boden und Deckel abgeschnitten, der verbleibende Zylinder wird längs aufgeschnitten und abgerollt. Die so entstandenen Scheiben sind allerdings nicht sehr großformatig. Aus diesem Grund hatten die Fenster damals eine mehr oder weniger kleinteilige Sprosseneinteilung. Das Glas hat außerdem aufgrund des Herstellungsprozesses keine spiegelglatte Oberfläche, sondern leichte Unebenheiten und manchmal Einschlüsse.

Das rechts abgebildete Fenster ist der am häufigsten in der Villa eingebaute Typ (ca. 24 Stück). Die maximale Scheibengröße beträgt nicht mehr als 42cm. Die äußere Ebene verfügt über Drehflügel mit Stulp und ein Oberlicht mit Kippbeschlag. Die innere Ebene hat ebenfalls Drehflügel mit Stulp, die aber ohne Oberlicht über die gesamte Höhe des Fensters reichen. Diese Flügel sind mit zwei Quersprossen unterteilt, und zwar so, dass sich diese Sprossen mit den der äußeren Flügel decken. Im Sommer wurden diese Inneren Flügel oft ausgehangen und im Speicher verstaut und erst im Herbst wieder eingehängt.

Nach ausführlicher Sichtung und Bestandsaufnahme aller im Haus noch verbliebenen Originalfenster wurde einvernehmlich mit der Denkmalbehörde beschlossen, alle Fenster bis auf drei komplett neu anzufertigen. Die Fenster werden getreu dem alten Vorbild hergestellt, d.h. komplett aus Holz (Lärche, Eiche und Fichte je nach Bauteil), mit der gleichen Profilierung, gleiche Abmessungen und Sprosseneinteilung. Nach Möglichkeit werden auch die noch vorhandenen und brauchbaren Getriebe und Beschläge hergerichtet und wiederverwendet.

Lediglich kleine Detailverbesserungen werden vorgenommen, wie z.B. eine umlaufende Dicktlippe am inneren Flügel, ein geänderter Wetterschenkel und die Aufnahme für das Fensterblech. Zur Verglasung kommt außen sogenanntes Restaurationsglas zum Einsatz, das die gleichen Unregelmäßigkeiten aufweist wie das alte Glas. Innen wird ein beschichtetetes Einscheiben-Isolierglas eingebaut. Dadurch sollte ein U-Wert von nur knapp über 1 erreicht werden, was modernem Standard entspricht.

Die Oberfläche wird mit einer speziellen Ölfarbe behandelt.

Die drei am besten erhaltenen Bestandsfenster werden entlackt, bei Bedarf repariert, neu verglast und gestrichen. Diese drei Fenster werden auf Wunsch der Denkmalbehörde als so genanntes “Primärdokument” nebeneinander in einem Raum wieder eingebaut.